Montag, 20. Februar 2017

Das Möh und die Lederhose


"Was tragen Sie denn da für ein Tier?", fragte mich kürzlich eine junge Damen ganz fasziniert angesichts des Fussel-Mantels, der bei den fiesen Minustemperaturen in den letzten Wochen dann auch mal wieder an die Luft durfte. "Polytier" habe ich ganz ernst entgegnet und man sah tatsächlich, wie es hinter ihrer Stirn arbeitete. Ich habe ihr dann erklärt, dass das Polytier keine Abart des sibirischen Zottelschafes ist, sondern aus puren Erdöl gefertigt wird. Sie wirkte einigermaßen erleichtert, dass ich nicht für die Ausrottung der Polarbären verantwortlich bin ;-)

Das Möh habe ich vor zweieinhalb Jahren in Berlin erstanden. Tochter, klein, weilte dort auf einem Wettkampf und Mütter sind ja nicht nur Mütter, sondern auch willige Taxifahrer. Also eben mal nach Berlin. In der Turnhalle zu übernachten kam dann doch nicht in Frage - also für mich nicht, Tochter fand es toll - und ich zog ins Hotel. Und weil der Wettkampf erst später begann, habe ich mir nach dem Frühstück überlegt, dass ich mir das super-spannende Einspringen dann doch nicht antun müsste und stattdessen ein bisschen bummeln gehen könnte. Es kam, wie es kommen musste: Ich bummelte ausgiebig, kam natürlich zu spät zum Wettkampf und sah das Kind nicht springen.

Das war einerseits nicht tragisch, weil das Kind seine Kür abbrach und ich so gesehen nix verpasste. Andererseits war das arme Kind nicht nur sauer, weil der Wettkampf ohne Pokal endete, sondern natürlich auch, weil der bösen Mutter Shoppen wichtiger war als sich im Ruhm der möglicherweise erfolgreichen Tochter zu sonnen. Ich sage Euch, es hat mich Stunden gekostet, das Kind wieder zu besänftigen. Den Mantel, den ich erstanden hatte, fand sie natürlich auch doof.

Ich mag ihn. Er ist nicht gerade besonders figurfreundlich, aber dafür mächtig warm. Damit hauen mich auch zehn Grad unter Null nicht aus den Socken. Irgendwie verstehe ich Menschen, die in weitaus kälteren Gegenden leben und zum echten Pelz greifen. Der dürfte nämlich noch weit wärmer sein. Trotzdem bin ich froh, dass für diesen Mantel kein Eisbär und nichtmal ein zotteliges Schaf sterben musste und ich trotzdem nicht frieren muss.

Um die Fake-Arie komplett zu machen ist auch die Hose nicht echt. Sorry, Bärbel. Schon wieder Gummihose. Für Gummi finde ich die aber eigentlich ganz gut gelungen. Und weil ich natürlich irgendwann ein berühmter Influencer werden will (ich überlege noch, wen ich mit was influence, aber mir fällt was ein, garantiert) schreibe ich mir das gleich mal aufs Hemd. Ha, vielleicht mit Glitzer-Netzsöckchen in Turnschuhen? Die fand ich sooo schön. Leider haben sie nur einen Tag überlebt. Beim abendlichen Ausziehen habe ich ein wunderbares Loch fabriziert. Da lobe ich mir meine Einkaufstasche - die Bilder sind nämlich auf dem Weg zum Supermarkt entstanden. Die haut so schnell nix um. Entspricht zwar vermutlich nicht so wirklich den gängigen Anforderungen an eine Handtasche, aber sie war nun mal gerade dabei. Außerdem passt alles rein, was man so einkauft, wenn man eigentlich nur zwei Liter Milch braucht und einen halben Einkaufswagen voller Dinge, von denen man nichtmal wusste, dass sie aufgebraucht sind, aus dem Markt schleppt. Solange ich alleine einkaufe, habe ich das einigermaßen unter Kontrolle. Aber sobald der Nachwuchs dabei ist, wird aus zwei Litern Milch ein halber Wocheneinkauf...









So, genug gesabbelt. Ich wünsche Euch einen schönen Montag mit möglichst wenig Stress :-)

Liebe Grüße
Fran

Sonntag, 19. Februar 2017

Kampf der Gewichte


Eigentlich war der Januar ja immer das Hoch für Diäten und Co. angesagt, passend zu den guten Vorsätzen fürs neue Jahr. Entweder kommt dieses Hoch in diesem Jahr verspätet oder es hält ungewöhnlich lange an. Wo man hinliest - überflüssige Kilos und Strategien zur Bekämpfung derselben sind zur Zeit Thema, inklusive Dicken- oder Dünne-Bashing.

Ist Edeka mit dem neuen Werbevideo, das online ganz viel Applaus erntete, daran schuld? Nee, die Edeka-ler sind nämlich böse, weil sie Dicke diskriminieren. Die implizieren, dass Dicke ständig irgendwelchen grauen Mampf in sich reinschaufeln, ohne darüber nachzudenken. Und deshalb sind die Dicken halt dick. Weil grauer Mampf ja ungesund sein muss, so grau wie der aussieht. Und weil ein kleiner Junge den Einheitsbrei nicht mehr isst und von der Bowlingkugel zum ganz normalen Jungen mutiert, ist Edeka jetzt böse. Oder grandios. Ja nach Standpunkt.

Die Dünnen werfen den Dicken vor, dick zu sein, weil sie ohne Unterlass fiese Dinge in sich reinschaufeln, obwohl der dick macht. Das Wort "dick" wird dabei allerdings gern vermieden. Krank. Das klingt besser. Denn jemandem zu sagen, dass er zu dick ist, geht im Jahr 2017 irgendwie echt nicht mehr. Das ist politisch sowas von unkorrekt. Dafür gibt es Haue, die 2017 Bashing heißt. Also fragt man den Dicken einfach mal, ob er denn der Meinung ist, dass er sich gesund ernährt. Denn wer sich gesund ernährt, kann niemals zu dick sein. Oder so.

Auf der anderen Seite das gängige Vorurteil der Dicken gegenüber den Schlanken: Boah, die können vor lauter Kalorienzählen das Essen ja gar nicht mehr zelebrieren! Genuss? Ein Fremdwort für schlanke Menschen. Nee, die kauen immerzu an Salatblättern und finden Salat eigentlich zum Spucken. Aber weil sie schlank bleiben, naschen sie allerhöchstens alle vier Stunden mal ein Tomätchen. Nee, das geht gar nicht. Schlanksein grenzt quasi an Körperverletzung.

Vorwürfe von allen Seiten also. Trotzdem wollen viele Menschen dann am Ende doch gern schlank sein. Klar, man findet jedes Gramm an sich total schön, lernt sich und seine Kilos zu lieben und akzeptiert sich selbstverständlich nicht nur, sondern verehrt sich sogar. Das macht der moderne Mensch so. Zumindest behauptet er es, sobald irgendjemand in der Nähe ist, der das hören könnte. Aber irgendwann schlägt sie bei ganz vielen Menschen zu, die Sehnsucht nach dem allgemein akzeptierten, schlanken, sportlichen Ich.

Die schlanken Menschen dagegen, die können gar nicht verstehen, dasss irgend jemand sowas wie Übergewicht hat. Die wissen eigentlich gar nicht, warum sie schlank sind. Weil sie doch eigentlich alles essen, und zwar ständig. Und manchmal ein bisschen, aber nur ein ganz keines bisschen Sport treiben. Oder eben nichtmal dieses Bisschen. Es gibt tatsächlich Menschen, die sich online ständig mit Futter ohne Ende präsentieren, die angeblich noch nie irgendetwas in Richtung Sport gemacht haben wollen und wirklich nur aufgrund ihrer überragenden Gene einen BMI von 18,2 haben.

Und mal ganz ehrlich: Das meiste davon ist einfach nur Bullshit.

Ich kenne beide Seiten. Bis vor einigen Jahren war ich dick. Heute bin ich schlank und gedenke es zu bleiben. Ich kann Essen trotzdem genießen. Aber ich weiß auch, dass man, um 25 Kilo zu verlieren, nicht einfach nur an einer oder zwei Schräubchen drehen muss und auf nix verzichten. Das funktioniert nicht. Sie wieder loszuwerden, hat funktioniert. Nicht mit hippen Low-Detox-Superfood-niemehrAnanas-issnurnochintuitiv-Diäten. Und trotz der Tatsache, dass ich weit über 40 war. Aber es war hart. Das eine oder andere Mal hat mich der eine oder andere Schokoriegel so sehr angelacht, dass ich ihn am liebsten niedergemacht hätte. Stattdessen bin ich laufen gegangen.

Vielleicht liegt es an meiner Geschichte, dass mich dieses Dünne-gegen-Dicke respektive Dicke-gegen-Dünne-Theater nervt. Müssen Dünne ständig missbilligend auf diejenigen zeigen, die ein paar Kilo zu viel auf den Rippen haben und ihnen vorwerfen, nur Müll in sich reinzustopfen? Müssen Dicke ständig missbilligend auf diejenigen zeigen, die schlank sind und ihnen vorwerfen, das Wort Genuss höchstens aus dem Duden zu kennen? Kann sich nicht einfach jeder um sein eigenes Gewicht kümmern? Wer damit glücklich ist, der lässt es einfach so. Und wer damit unglücklich ist, der ändert was dran. Punkt.

Liebe Grüße
Fran


P.S. Das Edeka-Video finde ich übrigens trotzdem klasse. Es ist hervorragend gemacht und erzählt eine wunderschöne Geschichte. Die nicht zwangsweise etwas mit Gewicht zu tun hat. Vielmehr mit Träumen.

P.P.S. Sollte Euch irgendwer von dieser super-super-mega-Methode erzählen (idealerweise in Form einer grandiosen Kooperation), mit der man total unkompliziert und so ganz ohne Verzicht abnimmt, dann guckt einfach mal Fotos dieses Menschen drei Monate nach der super-duper-Diät an. Sähe er so aus, wenn die Diät wirklich so super-duper-toll wäre? Falls ja, herzlichen Glückwunsch.

Freitag, 17. Februar 2017

Zu früh für Blumen? Nein :-)


Na, was will uns das Schild sagen? Es ist wieder mal Zeit, nach London zu fliegen und nicht immer nur bei Tina sehnsüchtig Fotos anzusehen. Und deshalb sind die Flüge jetzt gebucht *freu* Das kommt halt dabei raus, wenn man Fran allein zu ihrer Freundin lässt ;-) Die beiden futtern nicht nur Scones und stellen fest, dass der letzte London-Trip viel zu lange her ist, sondern setzen sich gleich mal an den Rechner um zu gucken, ob es gaaaaanz eventuell einen günstigen Flug und ein hübsches Hotel zum Super-Duper-Sonderpreis gibt. Wunderbarerweise klappt das dann auch noch und schwups - im Mai winke ich der guten alten Königin Lisbeth dann wieder mal live und in Farbe :-)

Bis dahin blühen da hoffentlich ganz viele Blumen in diversen Parks, damit wir wieder ein paar royale Tulpenzwiebeln mitgehen lassen können ;-) Bis jetzt blüht es nur auf meinem Pullover, dafür aber ungewohnt farbenfroh. Der Pullover ist quasi der Schwager meines Blumenkleides.  Den habe ich zwecks Stimmungsaufhellung nach dem Arztbesuch in der vergangenenWoche gekauft. Macht zwar den Fuß nicht wieder heil, aber Blümchen wirken bei mir in jeder Form. Nicht ganz so gut wie Mädels-Nachmittage mit leckerem Essen und einer spontanen Flugbuchung, aber ein kleines bisschen  schon. Demnächst stülpe ich ihn einfach über das Blumenkleid und zelebriere den Blümchen-Overkill. Und auch wenn Beate jetzt bestimmt wieder sagt, dass ich winsele *grins*: Ich hätte jetzt wirklich gern ein paar Blümchen, und wenn es Schneeglöckchen sind. Aber bisher tut sich im Garten nix. Kein Wunder, noch ist der Boden gefroren. Aber es wird immerhin langsam ein kleines bisschen wärmer. Heute war ich erstmals seit gefühlt zehn Jahren ohne Handschuhe unterwegs auf der Hunderunde. Hach, das war schön.

Ich schätze allerdings, bis es soweit ist, dass die dicken Pullis nach hinten in den Schrank wandern können, vergehen noch mindestens acht Wochen. Leider wird wohl zeitlich auch meine absolute Lieblings-Winterhose eingemottet. Das ist einer der wenigen Punkte, die ich zum Ende des Winters bedaure: Lederhosen, ob fake oder echt, haben Pause.

Pause habe ich jetzt auch. Nee, stimmt gar nicht. Auf mich wartet der Inhalt von vier Wäschekörben. Gnarf. Blöd, dass der auch durch hartnäckiges Ignorieren nicht von selbst in den Schränken verschwindet. Ich begrabe mich dann mal unter Wäschestapeln. Ist immerhin mein einziger freier Abend in dieser Woche. Doppel-Gnarf.







Erwähnte ich, dass meine Freundin eine wunderbare Köchin ist? Aber immerhin habe ich diesmal auch was beigesteuert. Ich habe die Spülmaschine ausgeräumt :-)

Liebe Grüße
Fran



Mittwoch, 15. Februar 2017

Abenteuer der Neuzeit - Online-Shopping vom Feinsten


Mein Herd ist kaputt. Also eigentlich gar nicht der Herd, sondern nur das doofe Display vorn, mit dem man das Ding programmieren kann. Das wäre eigentlich nichtmal schlimm, weil ich meinen Herd eh nicht programmiere. Aber das Ding macht Geräusche. Und das wiederum macht mich wahnsinnig. Also muss ein neuer Herd her.

Sowas kauft man ja heutzutage nicht mehr im kleinen Elektroladen im nächsten Dorf, sondern selbstverständlich online. Inklusive Anschluss-Service und Altgerätemitnahme. Also flugs ein passendes Modell ausgewählt, den Bestell-Button gedrückt und dann harre ich der Dinge, die da kommen. Die kommen sogar relativ schnell. Der Einrichtungsservice des großen Versandhandels aus der nahen Hansestadt meldet sich und fragt, wann denn eine Lieferung genehm wäre. Na, so schnell wie möglich natürlich :-) Aber mal langsam mit den jungen Pferden, sooooo schnell geht es nicht. Ich bekomme einen Termin gut eine Woche später. Dafür bin ich an diesem Tag der erste Kunde! Das heißt, die Elektro-Fachkraft ist um Punkt halb neun hier. Prima, das passt. Einen Herd anzuschließen soll ja wohl nicht länger als maximal 60 Minuten dauern und dann komme ich noch pünktlich zur Morgenkonferenz.

Am Tag der Lieferung stehe ich also extra früh auf, um bis halb neun
  • geduscht und frisch onduliert zu sein
  • den Hund einmal um den Deich geschleppt zu haben
  • einen Text vorbereitet zu haben
  • die Kinder in die Schule verbracht zu haben
Und dann warte ich. Es wird neun. Es wird halb zehn. Es wird zehn. Vom Herd keine Spur. Ich rufe in der Redaktion an und warne vor, dass es später werden kann. Es wird elf. Es wird zwölf. Keine Spur vom Herd. Leider habe ich auch keine Telefonnummer, bei der ich nachfragen könnte. Der Kundenservice des Versandhandels ist da irgendwie nicht so richtig zuständig. Erst nach einigen Telefonaten bekomme ich endlich die Nummer des Lieferservices.

Ich rufe da gegen halb drei an. Ja, durchaus ein bisschen angesäuert. Streicht „ein bisschen“ und setzt „mächtig“ ein. Der freundliche Mitarbeiter teilt mir mit, dass die Monteure innerhalb der nächsten halben Stunde eintrudeln werden. Das wäre um drei. Als ich ihn darauf hinweise, dass das eine Verspätung von sechs Stunden und einen Tag Urlaub für mich bedeutet, kommt ein ellenlange Entschuldigung. Krankheitsfälle, zu spät losgefahren… bla bla.

Um drei klingelt es. Der Herd ist da! Zu früh gefreut. Das Ceran-Kochfeld will nicht so recht in den Ausschnitt seines Vorgängers passen. Die Fachkraft holt den Hammer raus. Hallo? Fachkraft? Bevor ich irgendetwas sagen kann, haut er auf die linke untere Ecke. Mit Schmackes. Und das Cerankochfeld tut genau das, was ein Cerankochfeld in einer solchen Situation tut. Es zerbricht. Gut, das hätte ich der kompetenten Fachkraft auch vorher mitteilen können. Aber solche Erfahrungen muss man als Fachkraft wohl selbst machen, um daraus zu lernen.

Dass die Fachkraft mich dann auffordert, doch gleich telefonisch einen neuen Herd zu bestellen, weil das viel schneller geht als wenn er eine Schadensmeldung abgibt, kommt mir komisch vor. Nö, sage ich ihm, die zwei Tage, die das länger dauert, verbringe ich dann doch mit meinem alten Herd. Wir haben zehn Jahre zusammen ausgehalten, da kommt es auf zwei Tage jetzt auch nicht mehr an. Und wenn die Geräusche zu laut werden, dann wird einfach die Sicherung ausgeknipst.  Die Fachkraft baut gemeinsam mit der Zweit-Fachkraft den neuen Backofen wieder aus und die alten Gerätschaften wieder ein. Das hielt die Fachkraft zwar für unnötig und ich meine sogar ein gezischtes „unverschämt“ gehört zu haben, aber ich habe die Fachkraft kurzerhand gezwungen. Ich bin eine weise Frau, scheint mir. Ich scheine gewusst zu haben, was kommt.

Eine Woche später. Trotz anderslautender Versprechen habe ich nichts vom Lieferservice gehört. Die wollten einen zeitnahen Termin für die Ersatzlieferung durchgeben. Haben sie nicht. Ich rufe dort an. Aha, das Ersatzgerät ist noch nicht geliefert worden. Das dauert. Soso. Wenig später erhalte ich eine Mail vom Versandhändler, dass gerade die Schadensmeldung vom Lieferservice eingetrudelt ist und dass man natürlich ein Ersatzgerät zur Verfügung stellt. So ein „Transportschaden“ könne ja mal vorkommen. Aha. Transportschaden. Naja, so kann man das auch sehen. Die Fachkraft hat im Prinzip ja auch nur ihren Hammer auf das Cerankochfeld befördert. Alles eine Sache der Auslegung.

Noch eine Woche später. Der Lieferservice avisiert den Ersatzherd. Der kann leider erst ein paar Tage später geliefert werden, aber dafür bin ich - ja genau, die erste Kundin! Spätestens um halb neun sind die Fachkräfte da. Eher um acht. Aha.

Am Tag der Lieferung stehe ich also extra früh auf, um bis um acht
  • geduscht und frisch onduliert zu sein
  • den Hund einmal um den Deich geschleppt zu haben
  • einen Text vorbereitet zu haben
  • die Kinder in die Schule verbracht zu haben
Und dann warte ich. Es wird neun. Es wird halb zehn. Es wird zehn. Vom Herd keine Spur. Diesmal kann ich den Tag leider nicht auf dem Sofa verbringen. Ich rufe also den Lieferservice an. Das täte ihnen ganz furchtbar leid, sagt eine leise Frauenstimme. Aber die Lieferung bei dem Kunden vor mir verzögere sich. Man wisse nicht, wann die Fachkräfte nun kommen. Interessant. Warum vor dem ersten Kunden - also mir - noch andere Kunden beliefert werden, frage ich harmlos. Gestammel am anderen Ende. Ich teile der guten Frau mit, dass ich meinen Jahresurlaub nicht für eine Herdlieferung raushauen möchte und jetzt ins Büro fahre. Sie verspricht mir hoch und heilig, am nächsten Tag eine neuen Liefertermin durchzugeben. Natürlich passiert das nicht.

Zwei Tage später kommt dann der Anruf mit dem Liefertermin, der wiederum eine Woche später liegt. Diesmal soll es der Freitagnachmittag sein. Eine genau Uhrzeit kann man mir verständlicherweise nicht sagen. Aber wenn ich ab 14 Uhr bitte zuhause sein könnte. Bin ich natürlich. Und keine Spur vom Herd. Um 18 Uhr reißt mein Geduldsfaden und ich rufe den freundlich-kompetenten Lieferservice an, um zu erfahren, wo mein Herd steckt. Es täte ihnen ganz furchtbar leid, aber die Fachkräfte sind leider noch damit beschäftigt, 80 Kilometer weiter eine Küche einzubauen. „Das wird heute nichts mehr mit Ihrem Herd“, teilt mir die leise Frauenstimme mit. Ich kreise inzwischen unter der Decke und frage die junge Dame ob sie das ernst meint und ob sie jemals von der Erfindung namens Telefon gehört hat, mit der man Kunden quasi proaktiv über solche Dinge informieren könnte.

Sie ist sehr zerknirscht, entschuldigt sich dreimal und - tadaaaa, nennt mir einen neuen Liefertermin. Am Dienstagmorgen soll der Herd kommen. Ich bin der erste Kunde, spätestens um acht sind die Fachkräfte da. Mir wird schlecht. Ich habe Angst. Ich stehe am Dienstag extra früh aufstehen, um bis um acht
  • geduscht und frisch onduliert zu sein
  • den Hund einmal um den Deich geschleppt zu haben
  • einen Text vorbereitet zu haben
  • die Kinder in die Schule verbracht zu haben
Und dann warte ich. Und dann - oh Wunder - zwei freundliche Herren, die diesmal NICHT nach Schweiß stinken, dass mir der Hut hochgeht, stehen vor der Tür, liefern den Herd, schließen ihn an, nehmen die Verpackung und das Altgerät mit und sind nach knapp 30 Minuten wieder weg.


Ich warte jetzt drauf, dass der neue Herd explodiert. Das KANN nicht so einfach sein.

Liebe Grüße

Fran

Montag, 13. Februar 2017

In oliv und rosa: Flieger, grüss mir die Sonne...



Der eine oder andere wird sich heute mit Grausen abwenden, das bin ich ziemlich sicher ;-) Egal. Dürft ihr *grins* Ihr dürft das sogar laut sagen. Was ihr allerdings nicht dürft ist erwarten, dass ich meine neuen Overall weniger lieb habe.

Ich sah ihn, ich verliebte mich und ich kaufte ihn. Und nein, ich habe weder eine Autowerkstatt eröffnet noch will ich mich bei der Gartenarbeit künftig tarnen. Ich trage das Ding im ganz normalen Alltag. Und ja, auch im Büro. Bisher hat mir noch niemand den Autoschlüssel zum Waschen gereicht. Aber vielleicht kommt das ja noch.

Das gute Stück erinnerte mich beim Anprobieren an einen Fliegeroverall. Mein Mann guckte etwas verdutzt und fragte, woher ich denn die Panzerkombi habe. Merkwürdigerweise sagte mein Lieblingskollege so ziemlich das Gleiche. Vermutlich waren sie im gleichen Regiment oder wie das heißt. Was Panzerbesatzungen tragen, entzieht sich bisher meiner Kenntnis. Ich war im fraglichen Alter immer mit Wehrdienstverweigerern liiert *grins* Und als ich 18 und wehrdienst-tauglich war, waren Frauen da noch nicht erlaubt. Abgesehen davon war ich damals mit einer Jutetasche samt "Schwerter zu Pflugscharen"-Slogan unterwegs. Wie sich das mit den damals total hippen Bundeswehr-Parkas vertrug, daran erinnere ich mich komischerweise nicht ;-)

Um das Ganze nicht gar zu martialisch aussehen zu lassen, gab es einfach Sneakers und ein bisschen zum Overall dazu. Der Schal mit neckischen Fake-Fell-Bömmelchen und der Cardigan schreien farbtechnisch ein kleines bisschen "Mädchen", so dass der Overall in einem Panzer wohl nicht mehr ganz willkommen wäre. Da sitzen schließlich nur echte Männer drin. Äh nein, stimmt gar nicht. Inzwischen dürfen Frauen ja auch... mein Weltbild gerät gerade ganz fürchterlich durcheinander. So ist das halt im Alter *kicher*








Wie gesagt, ihr dürft ruhig sagen, wenn das nicht Euer Ding ist. Aber erwartet bitte nicht, dass ich den Overall wieder ausziehe. Der ist sooooo gemütlich und ich mag ihn einfach. Ihr bekommt ihn in der nächsten Woche sogar noch einmal aufs Auge. Wer ihn nicht mag, sollte dann die Augen schließen und beten, dass es vorübergeht ;-)

Liebe Grüße
Fran

Overall: Mavi
Cardigan: H&M
Schuhe: Adidas

Sonntag, 12. Februar 2017

Von Uhren und wunderbaren Menschen


Als Ines Meyrose kürzlich eine Blogparade zum Thema Armbanduhren startete, habe ich mich riesig gefreut. Klar haben wir alle unser Smartphone ständig in der Tasche und brauchen im Prinzip keine Armbanduhr. Denn die kann ja schließlich, zumnindest wenn sie der klassischen Uhrengeneration angehört, quasi nix. Sie zählt weder Schritte noch verbrauchte Kalorien, kann keine Mails anzeigen oder WhatsApp-Nachrichten piepsend ankündigen und das Fotoalbum zeigt sie auch nicht auf Knopfdruck. Sie zeigt einfach nur die Zeit an.

Und genau deshalb trage ich meine Uhr seit nahezu 25 Jahren fast jeden Tag. Ich habe eine ganze Reihe von Uhrarmbändern zerschlissen. Sogar die aus Haifischleder waren nicht für die Ewigkeit. Aber die Uhr, die ist immer noch die Gleiche. In diesem Jahr wird sie ein Vierteljahrhundert alt. Vor 25 Jahren kam sie völlig unvermutet zu mir.

Ich arbeite damals in Düsseldorf und mit meinem Freund, mit dem ich erst ein paar Monate liiert war, fuhr ich an irgendeinem Samstag im Spätsommer nach Köln. Er wollte sich eine Uhr kaufen. Warum wir dazu nach Köln gefahren sind? Weil wie beide Düsseldorf nicht so wirklich toll fanden.  In Düsseldorf zu arbeiten war schon Strafe genug *grins*. Also auf nach Köln. Eine Breitling Navitimer sollte es werden, soviel stand fest. Ich hatte von Uhren keinen blassen Schimmer. Meine erste Uhr hatte ich, wie sich das im katholischen Westfalen gehört, zur Erstkommunion von meiner Patentante bekommen. Die hielt viele Jahre, bis sie irgendwann von einer Swatch abgelöst wurde, die damals absolut hip waren. Welche Uhren ich während des Studiums trug, daran erinnere ich mich ehrlich gesagt nicht. Genausowenig wie daran, welche Uhr ich trug, als wir an diesem Tag nach Köln fuhren. Vermutlich gar keine.

Uhren waren absolut nicht mein Thema, obwohl das eine oder andere Modell in den Stapeln von Uhren-Magazinen, die mein Freund sammelte, durchaus hübsch anzusehen war. Uhren in dieser Preisklasse waren allerdings bis dato nicht mein Ding. Also zog ich völlig leidenschaftslos mit ihm los. Er probierte die Navitimer, aber irgendwie passte die dann doch nicht. Also weitersuchen. Und während mein Freund sich durch das Angebot an Herrenuhren kämpfte, musste ich mich auch irgendwie beschäftigen. Smartphones waren noch nicht erfunden, Instagram schon gar nicht, also mussten Uhren her. Und da passierte es: Ich verliebte mich. In eine TAG Heuer. Fragt mich nicht, wie das Modell heißt. Ich habe keinen blassen Schimmer. Das weiß ich bis heute nicht, ist auch nicht wichtig. Aber ich fand sie wunderschön. Leider auch viel zu teuer, so ein Volontärsgehalt reicht gerade mal für eine Casio.

Mein Freund probierte derweil die eine oder andere Uhr und schließlich fiel seine Wahl dann tatsächlich nicht auf die Breitling, sondern auf eine ganz andere Uhr. Ich verabschiedete mich schweren Herzens von der hübschen Damenuhr und wir gingen. Und während wir so zum Auto bummelten, zog er ein Päckchen aus der Tasche und drückte es mir in die Hand. Darin war die TAG Heuer. Ich hatte weder Geburtstag noch hatten wir irgendeinen Jahrestag zu feiern - wir kannten uns ja erst wenige Monate. Womit ich an diesem Tag dieses Geschenk verdient habe, weiß ich bis heute nicht. Ich glaube, ich habe vor Freude halb Köln zusammengequiekt. Den Mann habe ich ungefähr zehn Jahre später geheiratet und würde es immer wieder tun :-) Sogar ohne Uhr.



Die Uhr begleitet mich bis heute und dank regelmäßiger Überholung wird sie hoffentlich noch weitere 25 Jahre ihren Dienst tun und dabei gut aussehen. Sie passt zu mir und zu jedem Outfit und ist zusammen mit meinem Ehering der einzige Schmuck, den ich täglich trage. Mehr Bling-Bling brauche ich nicht. 



Seit Donnerstag gibt es allerdings noch eine weitere Uhr in meinem Leben. Ich kam spät abends von einer Sitzung und fischte ein Päckchen aus dem Briefkasten. Drinnen fand ich eine Taschenuhr. Die hatte ich kürzlich auf dem Blog von Patricia entdeckt. Sie hat sie von ihrem Lieblingsonkel geerbt, der wiederum hat sie zum 25-jährigen Dienstjubiläum auf dem Pütt bekommen. Ich liebe den Pütt. Mein Großvater war Bergmann und seitdem ich in der vierten Klasse zum ersten Mal im Bergbaumuseum in Bochum war, bin ich Fan des Ruhrgebietes. Nach dem Studium habe ich eine Weile in Essen gewohnt, in einer alten Zechensiedlung mit Blick auf den Förderturm. Ich fand es toll.  Vielleicht liegt mir deshalb Köln auch eher als das vornehme Düsseldorf ;-) Wie auch immer - Patricia hat mir diese wunderbare Uhr geschenkt. Jetzt muss ich sie noch zum Laufen bringen und dann brauche ich selbstverständlich eine Weste, damit ich die Uhr demnächst aus der Westentasche zücken kann :-) Ich habe mich irre gefreut und sage noch einmal ein ganz, ganz dickes Dankeschön, liebe Patricia!

Liebe Grüße
Fran


Freitag, 10. Februar 2017

Ein Schrank voll nix anzuziehen - weiter mit Kleidern :-)


Weiter gehts mit dem Kleiderschrank-Projekt, und zwar mit Kleidern. Das eine oder andere hätte ich noch auf Lager :-) Hier ein Exemplar, das Gunda schon kennt. Ich habe es nämlich mit ihr zusammen gekauft, als wir im Herbst zusammen in Hamburg bummeln waren. Ha, und ich habe es geschafft, sie ebenfalls in ein COS-Kleid zu kriegen! Gunda, das haben wir auf dem Blog noch nicht gesehen. Ich warte :-)

Das Kleid ist ein reines Winter-Exemplar, das ist nämlich aus richtig dickem Jersey. Fast schon zu warm fürs Büro, aber wenn ich regelmäßig bei meinen Frischluft-liebenden Kollegen vorbei gehe, die niemals die Heizung andrehen (sowas können doch nur Männer, oder?), dann geht es. Reine Winterkleider habe ich nur recht wenige. Da ich im Büro und zuhause die Heizung nämlich gern mal bis zum Anschlag aufreiße, sind die mir oft zu warm. Also bevorzuge ich dünnere Kleider, die ich dann per Pullover oder Cardigan winterfest mache.

Die Schuhe langweilen Euch vermutlich schon zu Tode, die habe ich in den letzten Wochen in Dauerschleife getragen. Aber ich darf jetzt wieder Absatz. Das obere Sprunggelenk ist gut verheilt. Yeah! Das war die gute Nachricht vom Gelenk-Spezialisten. Die schlechte: Leider ist auch das untere Sprunggelenk  kaputt. Das hatte bisher keiner gemerkt. Operieren kann man das nicht. Jetzt gibt es Cortison-Spritzen. Die scheinen gut zu wirken. Ich konnte nach der Spritze von gestern heute Dinge, die ich seit einem Jahr nicht mehr konnte. Mich auf dem rechten Fuß drehen zum Beispiel. Ohne dass es weh tut. Leider ist die Sache mit den Cortison-Spritzen nicht für immer geeignet. Wie lange das gut geht, ist unklar. Und wenn es nicht mehr funktioniert, muss das Gelenk versteift werden. Hat den Vorteil, dass nix mehr wehtut. Hat den Nachteil, dass die Beweglichkeit eingeschränkt ist. Ihr dürft mich dann Bein-Godik nennen. Kennt den noch einer? Den gab es in einem der Weihnachts-Mehrteiler, die es vor vielen Jahren mal gab. Ich glaube, es war Silas.

Na, immerhin kann ich dann noch so tolle Sportarten wie Schwimmen, Radfahren und Hallen-Halma machen. Schach ginge natürlich auch, meinte der Arzt. Ich hasse Schach :-) Joggen entfällt dann auf jeden Fall. Eigentlich könnte ich jetzt was ganz Bescheuertes machen und nen Marathon anpeilen. Bisher stand ich immer nur an der Strecke und hab meinen Mann angefeuert. Aber was, wenn der sich dann endlich rächt und sich bei Kilometer 39 mit nem Döner am Straßenrand aufbaut? Hab ich beim Berlin-Marathon mal gemacht. Er hat einige Minuten lang über eine sofortige Scheidung nachgedacht *grins* Ich guck mal, wie das mit dem Laufen läuft. Ich probiere es mutig am Wochenende mal aus.








Liebe Grüße
Fran

Kleid: COS
Bluse: H&M
Jacke &
Schuhe: Zara
Schal: Invero