Mittwoch, 22. März 2017

Ich bin wieder hier, in meinem Revier *träller*

Lassen wir das. Ich kann nicht singen. Das wird Euch meine Familie auf Anfrage gern bestätigen. Die leiden periodisch unter meinen Sangesversuchen und haben mich daher singend unter die Dusche verbannt.

Da bin ich also wieder. Eine Woche völlige Auszeit von allem hat wahnsinnig gut getan. Das Hamsterrad, das auch Natascha  gerade beschäftigt, hinter mir zu lassen und die Dinge zu tun, die ich machen möchte. Lange Spaziergänge, Buddeln im Garten, gute Gespräche, ganz viel Lachen, Knuddel-Einheiten und viel Zeit allein mit mir und für mich. Da war es dann schon fast egal, wenn ich mit dem Hund durch den Regen gewandert bin und klatschnass zuhause ankam. Ich hatte nämlich genügend Zeit, um ganz in Ruhe einen großen Milchkaffee zu trinken, während ich trocknete ;-)

Aber wie kommt man längerfristig aus dem Hamsterrad heraus? Job, Haushalt, Familie, Freunde, Garten, Blog - manchmal hat man das Gefühl, dass alles, was man eigentlich als einzelne Aufgabe gern macht, an einem zerrt und zieht und irgendwann geht dann nichts mehr. Aber wo soll ich reduzieren, und zwar dauerhaft?

Ist es eigentlich ein typisches Frauenproblem, dass ich mich für alles zuständig fühle? Für den Termin, den ein Kollege gern an mich abtreten würde, weil er gerade weder Zeit noch Lust hat? Habe ich nämlich auch nicht. Oder habe ich ein Organisationsproblem, weil ich die Arbeit für zwölf Stunden nicht in acht quetschen kann? Muss ich jetzt den lautstarken Revoluzzer geben, um in zwei Wochen dann doch kleinlaut den ganzen Kram wieder an mich zu ziehen, weil der kleine Perfektionist in mir das Unkraut auf der Einfahrt nicht ertragen kann? Vermutlich von allem ein bisschen.

Also hänge ich in Zukunft einfach einen Zettel mit einem großen NEIN über meinen Schreibtisch. Auf den zeige ich dann, wenn besagter Kollege hereinschaut. Organisieren kann ich - wer zwei Teenies im Zaum hält, der ist quasi ein geborenes Organisationstalent. Und die Sache mit dem zaghaften Revoluzzer sollte auch in den Griff zu kriegen sein. Vielleicht brülle ich künftig einfach das Unkraut auf der Einfahrt an und das ist dann so beeindruckt von meiner Stimme, dass es das Wachsen einstellt? Käme auf einen Versuch an. Ich bin schon gespannt auf die Gesichter der Nachbarn und überwinde damit dann auch gleich das Frauenproblem.

Was bleibt, ist der Blog. Der bringt weder Geld noch Ruhm. Nichtmal viel Applaus ist drin, weil ich so gern garstige Posts über merkwürdige Phänomene in Bloggerhausen am Mittwoch schreibe. Blöd nur, dass mir Schreiben und vor allem das Verfassen garstiger Texte phänomenal viel Spaß macht. Klar könnte ich mich darauf verlegen, lobende Texte über Modemarken zu schreiben, bei denen ich mich im Laden bloß gähnend abwende. Oder Lobeshymnen auf Kosmetikprodukte zu verfassen, die ich in Wirklichkeit gerade mal halbgar finde. Für Geld geht da bestimmt eine Menge. Und wenn ich es geschickt anfange, nimmt mir der Rest der Welt das vermutlich sogar ab. Klappt ja andernorts auch hervorragend. Aber mal ehrlich: Da würde der Spaß an der Sache für mich auf der Strecke bleiben. Einen Job möchte ich aus dem Bloggen immer noch nicht machen, auch keinen klitzekleinen Nebenjob. Die Steuererklärung fordert mich schon so wie sie ist zur Genüge, da muss ich mir nicht noch selbst das Leben schwerer machen.

Hier bleibt deshalb vorerst alles so wie es ist. Bis auf die Frequenz der Posts. Und es wird künftig vermutlich ein paar Tage dauern, bis ich Eure Kommentare beantworte. Ob ich es schaffe, so regelmäßig anderswo zu kommentieren wie bisher weiß ich nicht. Daher möge sich künftig bitte niemand irgendwie verpflichtet fühlen, hier einen Kommentar zu hinterlassen. Ich werde mich, solange ich Zeit habe, natürlich kommentierend durch die Bloggerlandschaft bewegen. Aber wenn die Sonne scheint, dann schnappe ich mir einfach den Hund und gehe an den Elbstrand. Ohne schlechtes Gewissen :-)

Liebe Grüße

Fran

Montag, 20. März 2017

Layering-Look - ü30Blogger & Friends





Was hat Layering mit Zwiebeln zu tun? Diejenigen unter uns, die mindestens 40 sind, wissen das vermutlich. Denn vor Shopping Queen und Co. hieß das, was heute Layering-Look hieß, schlicht und ergreifend Zwiebellook. Man zog einfach Schicht um Schicht übereinander. Als ich ein Kind war, war der Zweck eher praktischer Natur: Nicht frieren hieß die Devise. Heute ist das eher zweiranging - es soll einfach nur gut aussehen.

Wobei das Zwiebeln im Frühjahr und Herbst durchaus noch immer praktisch sein kann. Morgens und abends ist es ganz schön kalt, wenn mitten am Tag die Sonne scheint, ist man oft froh, wenn man sich einer oder zwei Schichten entledigen kann. Blöd ist es, wenn das Outfit nur komplett funktioniert. Wenn ich in meinem Büro direkt an der Fensterfront sitze und um zwölf knallt die Sonne rein, schmeiße ich gern Überflüssiges, das morgens bei fünf Grad noch unbedingt notwendig wawr, von mir. Aufgrund der Optik dann zu schwitzen kommt nicht in Frage.

Bei diesem Outfit geht das ganz gut. Der Wachmacher am Morgen für alle Nachbarn ist der Leo-Mantel, den ich mir irgendwann im Zustand geistiger Umnachtung mal gekauft habe. Für Leoparden bringe ich in der Regel ausschließelich im Rahmen von Naturdokus Interesse auf, aber irgendwie dachte ich damals, ich müsse den Animal-Print-Hype auch mal mitmachen. Ganz selten darf das arme Poly-Tier dann mal raus aus dem Schrank-Käfig, und dann bitte nur in Kombination mit möglichst abgewetzten, hellen Jeans. Alles andere geht an mir gar nicht. Na, und als Schicht bis etwa elf Uhr vormittags finde ich ihn ganz originell ;-) Der arme Mantel lag schon mindestens fünfmal in seinem Leben auf dem Stapel „Aussortiert, ab in den Container“. Ich habe es nie übers Herz gebracht, das arme Tier tatsächlich zu entsorgen. Mit den Folgen dieses weichen Herzens müsst ihr jetzt leben.

Schicht zwei ist die Jeansjacke, die im Gegensatz um ollen Leo in Dauergebrauch ist. Im Normalfall allerdings nicht zur Jeans, denn dieses All-over-Denim-Ding mag ich an allen anderen, nur nicht an mir. Keine Ahnung, woran das liegt - muss ein Kindheitstrauma sein. Wobei ich die erste Jeans eh erst mit 13 oder so hatte und damals war es nicht die heiß ersehnte Wrangler (nach Levis krähte damals zumindest in meiner Schule kein Hahn, Wrangler war cool), sondern ein von meiner Mutter selbst genähtes Exemplar. Nein, fragt nicht. Der Gang in dieser Hose zur Schule war für eine 13-jährige schlimmer als jeder Gang nach Canossa.

Aber zurück zum Jeans-Komplett-Look: Dazwischen musste eine Schicht her, und wer könnte diese Rolle besser spielen als das längste Hemd im Schrank? Das funktioniert in allen Lebenslagen und obwohl es inzwischen diverse Jahre auf dem Buckel hat, liebe ich es heiß und innig. Es ist übrigens eines der wenigen Stücke, die ich sofort bügle, sobald es von der Wäscheleine kommt. Andere Blusen oder Kleider verbringen schonmal viele Wochen im Bügelkorb. Dieses Hemd nicht. Das kann man nämlich auch als Hemd wie hier oder als Kleid wie hier, sondern auch als Unterkleid wie hier oder hier tragen. Das Ding ist quasi multifunktional.

Mittags um eins bleiben dann lediglich noch die Jeans und das Hemd übrig - Sonnenschein vorausgesetzt. Und ab 17 Uhr geht der ganze Vorgang rückwärts :-)








Schmuck zu den Lagen wäre mir persönlich übrigens dann irgendwann zu viel. Ich bin nun mal keine Elster, die bei allem, was glitzert, ein besonderes Strahlen in den Augen bekommt. Vorstellbar wäre sicherlich noch eine lange Kette. aber sowas besitze ich nicht einmal. Also müsst ihr mit einer ungeschmückten Zwiebel vorlieb nehmen. Ich hoffe, Euch gefällt der Look trotzdem und ihr könnte Euch mit meinem Leo anfreunden. Ich verspreche auch, dass ich ihn erst in zwei oder drei Jahren wieder aus der Mottenkiste hole.

Liebe Grüße
Fran

P.S. Klickt auf jeden Fall weiter zu den anderen Ü30-Bloggern, die Euch in dieser Woche zeigen, wie ihre liebsten Layering-Looks aussehen. Es lohnt sich!



Mittwoch, 15. März 2017

Miese Work-Life-Balance


Meine Mutter hätte gesagt: „Du arbeitest zu viel“. Beate aus dem Bahnwärterhäuschen hat das kürzlich in einem Kommentar anders ausgedrückt. „Miese Work-Life-Balance“, meinte sie. Und sie hatte Recht.

So wirklich gestört hatte mich das bis dahin eigentlich nicht. Klar, die ständigen Abendtermine sind spätestens dann, wenn man zwischen Montag und Freitag keinen Abend zuhause verbringt, etwas nervig. Andererseits sind sie meist spannend. Vermutlich bin ich der einzige Mensch auf der Welt, der sowohl Diskussionen über fehlende Krippenplätze, die Probe eines plattdeutschen Theaterstückes und einen Streit über den Standort für das künfttige Feuerwehrhaus tatsächlich spannend findet und jedem Fernsehprogramm vorzieht. Zusätzlich habe ich phasenweise ein echtes Problem, meinen Kollegen die Bitte um die Übernahme eines Termins abzuschlagen. Wenn die nur lieb genug gucken, dann seufze ich und lass ihn mir aufschwatzen.

Zusätzlich sollte der Haushalt bittedanke nicht komplett verlottern und keiner verhungern. Und dann sind da noch der Garten und der Hund. Den Garten nach dem Winter wieder in Schuss zu bringen genieße ich in diesem Jahr mehr denn je und lange Gänge mit dem Hund bei Sonnenschein und 15 Grad sowieso. Und dann war da ja noch der Blog, der versorgt werden möchte. Auch das macht Spaß. Aber blöderweise habe ich unterm Strich im Moment die pure Hektik.

Ja, und wenn dann noch jemand stirbt, den du sehr gern gehabt hast und der eigentlich echt noch nicht dran gewesen wäre, dann steht man plötzlich da und fragt sich, ob am Ende eines Lebens tatsächlich die gewienerten Fenster oder die geschriebenen Artikel zählen oder nicht doch etwas ganz anderes.

Weil das so ist, habe ich mir einfach mal eine Woche frei genommen, lasse den Haushalt verlottern und versuche, so gut es geht, ein paar schöne Momente einzufangen. So ein Leben kann verdammt schnell beendet sein. Das weiß eigentlich jeder, aber es ist so schnell vergessen. Ich habe das Gefühl, ich muss meine Work-Life-Balance mal neu ordnen und deshalb findet man mich in den nächsten Tagen entweder mit dem Hund irgendwo am Wasser - der zeigt mir schon, wie genießen geht - oder buddelnd im Garten. Sorry, wenn Kommentare mit einigen Tagen Verzögerung beantwortet werden oder die Posts weniger werden. Irgendwann habe ich das Gleichgewicht wieder gefunden. Bis dahin brauche ich eine große Portion Life. Work kann warten.




Liebe Grüße

Fran

Montag, 13. März 2017

Barbie lässt grüßen

Hoodie & Jacke: H&M, Jeans: Zara, Schuhe: Adidas

"In dem Pullover lassen wir dich nicht aus dem Haus", sagte Tochter, klein, kürzlich knallhart, als ich diesen wunderbaren Kapuzenpullover, neudeutsch Hoodie im nächsten Hasi und Mausi anschmachtete. Sie zwang mich quasi mit vorgehaltener Waffe dazu, den Pullover wieder wegzuhängen. Naja, sie hat natürlich keine echte Knarre sondern nur die üblichen Waffen eines Teenies: Ihr Zimmer verwüsten, benutztes Geschirr unter dem Schreibtisch stehenlassen, wo es fortan mit den zwei (!) bis zum Rand gefüllten Mülleimern kämpft und das Verstreuen von wahnsinnig wichtigen Schuluntelagen im ganzen Haus. Alles zusammen kann furchtbare Folgen für die Psyche von Müttern haben... ich kenne mich da aus ;-)

Aber kurze Zeit später konnte ich die töchterliche Bewachung abschütteln und diese Gelegenheit nutzte ich natürlich sofort. Während das Kind nichtsahnend in der Umkleidekabine feststeckte, schnappte ich mir den Hoodie und eilte zur Kasse. Als Kind, klein, endlich die Kabine verließ, gehörte das Ding mir *yeah, gewonnen* Und natürlich ließ sie mich dann in dem Ding aus dem Haus - einer muss ja schließlich mit dem Hund gehen.

Nach dem Fotoshooting kam dann übrigens ein ziemlich kleinlautes "Der Hoodie sieht gar nicht schlecht aus" aus dem Munde des Kindes. Man höre und staune! Wie auch immer: Nachdem ich jahrelang fast alles verschmähte, was bunt war und vorzugsweise zu freundlichem Schwarz, unschuldigem Weiß, zurückhaltendem Grau oder wahlweise Erdferkel-Farben griff, fand ich, es sei mal Zeit für Abwechslung. Ich schätze, das Wetter hat seinen Teil dazu beigetragen. Als ich "das Ding" kaufte, hat es nämlich gerade mal wieder in Strömen geregnet.

Dafür gab es in den letzten Tagen feinsten Sonnenschein, ein laues Lüftchen und wunderbare Sonnenschein-Fotos. Den Hoodie und die bestickte Jeans würde ich zur Zeit am liebsten gar nicht mehr ausziehen.









Das werde ich allerdings in wenigen Tagen müssen und zu einem sehr traurigen Anlass wieder schwarz hervorkramen. Aus diesem Grund wird es in den nächsten Tagen eventuell auch eine kleine Blog-Pause geben. Ihr aber, genießt den beginnenden Frühling!

Liebe Grüße
Fran

Sonntag, 12. März 2017

Der Geist von der Tankstelle mit Bomberjacke


Overall: Mavi, Jacke: Zara, Tuch: H&M, Schuhe: Adidas

Was macht frau zu nachtschlafender Zeit, wenn sei nicht ins Bett gehen kann, weil die blöderweise versprochen hat, das Tochterkind von einer Party abzuholen? Genau: Sie schreibt einen Blogpost. Fotos lagerten noch auf der Platte, also bekämpfen wir die Müdigkeit einfach mal mit fröhlichem Tippen :-) 

Wann, bitteschön, ist das Kind eigentlich alt genug geworden, um sich bis in die Puppen außenhäusig zu amüsieren? Muss irgendwann in den letzten 17 Jahren gewesen sein. Die nächste Woche ist die letzte Schulwoche ihres Lebens. Dann noch die Abiturprüfungen und das Kapitel Schule ist im Mai beendet. Wow. Ich wollte ihr ja eigentlich schon zur Einschulung schon eines dieser furchtbaren Shirts mit "Abi 2017"-Aufdruck kaufen, habe aber davon abgesehen, weil man mich eh für völlig abgedreht und gruselig arrogant hielt, weil ich die Frechheit besaß, das Kind mit fünf Jahren einzuschulen. Kind fand den Kindergarten allerdings absolut gruselig und wollte dringend in die Schule. Jetzt rächt es sich, sie macht ihr Abi mit 17. Sämtliche Prophezeiungen meiner Mitmenschen, dass ihre Kindheit mit einem Schock endet, sie vermutlich mindestens drei Klassen wiederholen muss und die frühe Einschulung ein schreckliches Trauma nach sich zieht, sind gottseidank nicht eingetreten. Das Kind ist nur etwas stinkig, weil sie ohne volljährige Begleitung immer noch nicht in einen Club kommt. Ansonsten hat sie mich immer noch lieb. Behauptet sie zumindest.

Lieb habe ich auch meinen Overall, den ich Euch schon mal hier gezeigt habe. Diesmal dachte ich mir, ich bleibe mal im Thema grün und habe meine Bomberjacke dazu kombiniert. So gekleidet könnte ich vermutlich sofort meine berufliche Karriere bei einer Tankstelle fortsetzen. Zumindest hat mir der Aufzug bei meinen Kollegen die Bezeichnung "Dankwart, der Tankwart" eingebracht. Mein Einwurf, dass Tankwarte ja wohl eher blaue oder schwarze Overalls tragen, hat leider nicht gewirkt.

Ich bin sicher, das Tochterkind wäre ebenfalls begeistert, wenn ich sie so gewandet von der Party abholen würde *grins* Ich schätze, das wäre peinlich. Nicht so peinlich allerdings wie diese andere Party, bei der ich sie im Schlafanzug abholte. Wäre eigentlich kein Problem gewesen, weil ich normalerweise eine Nachricht tippe und im Auto warte. Diesmal allerdings wollte die Meute ein Foto mit der zum Geburtstags-Polaroidkamera haben. Und das sollte ich machen. Der Wunsch war mir Befehl - im Schlafanzug. Ob das jetzt das Sozialleben des Kindes negativ beeinflusst hat, entzieht sich meiner Kenntnis ;-)





Tochterkind, klein, hat ihr Praktikum beim Fotografen inzwischen beendet und experimentiert heftig mit der Kamera. Dabei kommen dann auch schon mal Geisterfotos zustande, die ich Euch nicht vorenthalten möchte. Ich bin nämlich eine übernatürliche Erscheinung :-)



So, und jetzt ist es auch schon Zeit loszufahren. Ich wünsche Euch einen wunderbaren Sonntag mit ganz viel Sonne und Frühling!

Liebe Grüße
Fran

P,S. Für alle, die jetzt missbilligend gucken und sich fragen, ob ich noch alle Tassen im Schrank habe, weil ich das partywütige Kind mitten in der Nacht abhole: Ja, ich habe alle Tassen im Schrank. Mir ist es lieber, Töchterlein kommt sicher mit mir nach Hause als dass sie entweder nachts um drei die zwölf Kilometer mit dem Rad zurücklegt oder mit irgendjemandem mitfährt, der es mit der Promillegrenze nicht so genau nimmt. Das diskutiere ich auch nicht :-)

Freitag, 10. März 2017

Erster Frühlingsausflug in rentnerbeige und babyblau


Ja, ich weiß, der Frühling hat offiziell noch gar nicht begonnen. Aber am vergangenen Wochenende gab es einen ersten Vorgeschmack. Zwar hat die Sonne es nur ganz kurz durch die Wolkendecke geschafft, aber es war trotzdem warm genug, um den Wintermantel durch eine Jeansjacke zu ersetzen :-) Also nix wie raus aus dem Haus und an die frische Luft. Weil die Zeit für einen Ostsee-Ausflug nicht gereicht hatte, wurde es halt etwas weniger Wasser, aber genossen habe ich diesen Ausflug trotzdem sehr. Vor allem, weil es möglich war, zum ersten Mal in diesem Jahr draußen einen Kaffee zu trinken, ohne dabei zu erfrieren.

Obwohl Pantone grün als Farbe des Jahres ausgerufen hat, bleibe ich doch lieber bei blau. Im Winter gern dunkelblau, im Frühling hätte ich gern hellblau. Und das kombiniere ich gern mal mit rentnerbeige. Weil rentnerbeige nämlich gar nicht nur für Rentner ist. Sollte ich wider Erwarten in der Hose doch das Angebot bekommen, ab sofort Rente zu bekommen, würde ich mir das allerdings durchaus überlegen.

In Fragebögen dann künftig "Rentner" als Beruf anzugeben, macht zwar nicht unbedingt jünger, aber verschafft einem eine Menge Zeit. Und davon hätte ich gern ein bisschen mehr, muss ich zugeben. Im Moment habe ich das Gefühl, vor lauter Arbeit kein Land mehr zu sehen. Sämtliche Wochenenden in den nächsten zwei Monaten sind eben mal verplant, ich schaffe es nicht, den Urlaub zu planen und wenn ich glaube, mal ein paar Stunden für mich zu haben, funkt irgendwas dazwischen.

Und weil das so ist, ich diesen Post wieder mal auf den letzten Drücker am späten Donnerstagabend tippe und ich gleich noch Kind, klein, vom Trampolintraining abholen muss (Wer kommt eigentlich auf die Idee, so spätes Training anzusetzen? Die armen Kinder schlafen doch morgen in der Schule ein, weil sie GNTM dringend noch heute nach nachgucken müssen), mache ich jetzt Schluss und setze mich ins Auto. Was muss ich auch aufs Dorf ziehen. Typischer Fall von selbst schuld ;-)









Liebe Grüße
Fran

Mittwoch, 8. März 2017

Das ist doch alles nicht mehr ehrlich


Seitdem der gemeine Influencer den gemeinen Blogger (für Unkundige: mit „gemein“ ist hier nicht das Synonym für „niederträchtig“ gemeint, sondern es ist lediglich ein anderer Ausdruck für „durchschnittlich“) auf der rechten Spur der Datenautobahn überholt hat, heißt es in Sachen Instagram von Seiten der Blogger regelmäßig, dass dieser ganze Instagram-Kram doch gar nicht mehr ehrlich ist. Gekaufte Follower waren nur der Anfang, inzwischen kauft man sich Likes und Kommentare und was weiß ich. Unehrlich, das Ganze.

Stimmt. Aber mal ganz ehrlich: Wann war Instagram das letzte Mal ehrlich? Dass die hübschen Bildchen, die wir alle tagtäglich mit einem Herzchen belohnen, das „ehrliche“ Leben zeigen - äh ja. Wer das glaubt, der glaubt wohl auch, dass Grimms Märchen ein Tatsachenbericht sind, quasi eine Chronik des 19. Jahrhunderts. Sollte das tatsächlich jemand für bare Münze nehmen, muss er jetzt ganz stark sein. Genausowenig wie im Mai 1833 die böse Fee das arme Dornröschen in den hundertjährigen Schlaf schickte wacht ein Instagram-Star jeden Morgen in schneeweißer, frisch gebügelter Bettwäsche auf, ist wie durch Zauberhand voll geschminkt (Menno, er hat doch gestern abend noch die Abschmink-Routine mit dem ganz neuen, irre tollen NDMQXY-Produkt gezeigt) und bekommt von seinem Foto-Sklaven den perfekten Latte Macchiato mit Kakaoherzchen gereicht.

Nein, im Mai 1833 passierte etwas ganz anderes: Die erste deutsche Illustrierte erschien. Witzigerweise punktete das Massenblatt mit Illustrationen. Wenn das mal nicht Realsatire ist :-) Abbildungen seien, so sagte damals der Chefredakteur des bahnbrechenden Magazins, das schönste Geschenk, das man seinem Jahrhundert machen könne. Nun, immerhin wissen wir, das sich das bis heute nicht geändert hat.

Dabei fällt mir gerade ein: Wenn man doch Follower, Likes und Kommentare kaufen kann, kann man dann eigentlich auch bunte Bildchen kaufen? Natürlich gibt es Foto-Datenbanken. Aber verkauft eigentlich irgendjemand optimierte Insta-Bildchen, mit denen ich meinen Account anhübschen könnte? Ich hab das nämlich sowas von gar nicht drauf, regelmäßig für Nachschub zu sorgen, der dazu noch in Sachen Bildsprache, Farbgebung und was-weiß-ich in meinen Feed passt. Wobei Feed für meine zugegebenermaßen eher kleine und nicht sonderlich stilvolle Bildersammlung mit irgendwas um 50 Followern sowieso ein Euphemismus ist. Und sein wir mal ehrlich, von den 50 Followern sind 30 sowieso nur da, weil ich ihnen auch folge und die freuen sich vermutlich, wenn von mir nix kommt und die restlichen 20 sind vermutlich längst gestorben, ihre Erben haben aber das Insta-Passwort nicht und können den Account folglich auch nicht löschen. Und wäre es eigentlich sinnvoll, anstatt Followern gleich die Bilder zu kaufen, mit denen man garantiert Follower generiert? Dann kauft man gefakte Bilder, die man postet, damit die gekauften Follower gekaufte Likes und Kommentare hinterlassen. DAS würde doch die Sache erstmal richtig rund machen. Also nicht wirklich rund. Aber eben zu einem kompletten Fake.

Was zieht auf Instagram überhaupt? Eher eine stylishe Wohnumgebung mit Ranunkeln im Hintergrund, weil Tulpen echt jeder hat? Oder nicht doch besser nacktes Fleisch? Wenn ich mir die Suchbegriffe angucke, mit denen die Menschen in letzter Zeit gern auf diesem Blog landen, dann wäre Lack und Leder vermutlich ganz hilfreich. Es gibt immerhin ganze Blogs, die davon leben, dass Damen unbestimmbaren Alters sich in Lack und Leder auf der Ledercouch räkeln. Na gut, das mit dem unbestimmbaren Alter kriege ich nicht hin. Meines sieht man. Also bleibe ich dann doch lieber bei meinen 50 treuen Followern und poste alle Jubeljahre mal ein Bildchen von irgendwas, das weder farblich noch thematisch irgendwie passt.

Aber zurück zur Ehrlichkeit: Für so ein Instagram-Bild wird optimiert, dass die Schwarte kracht. Aber wo ist eigentlich die Grenze zwischen Optimierung und Unehrlichkeit? Gibt es da überhaupt eine? Wenn ich meine Falten wegretuschiere (und die unter den Augen gehen mir echt auf die Nerven gerade, da überlege ich schon, ob ich nicht einfach das Lachen einstellen und nur noch streng gucken sollte, was wiederum hervorragend zu der Lack & Leder-Nummer passt), ist das Optimierung. Wenn ich zusätzlich meine Beine eben mal 20 Zentimeter länger und ein winzigkleines bisschen schlanker ziehe und bei der Gelegenheit auch gleich ein wenig Oberweite ergänze - ist das dann unehrlich? Wenn ich das halbe Haus umräume, um ein Eckchen meines Lounge-Bereiches (aka Wohnzimmer) ins rechte Licht zu rücken, ist das dann unehrlich? Den Originalzustand zu posten wäre riskant. Irgendjemand würde mir garantiert Tine Wittler auf den Hals hetzen.

Herrje, digitales Leben ist echt nicht einfach. Ich bleibe einfach dabei, auf Instagram durchschnittlich maximal 20 Fotos pro Jahr zu posten, meinen 50 Followern ansonsten nicht auf den Sack zu gehen und mir periodisch anzugucken, was der Rest das so macht. Ich brauche nämlich nach im Schnitt fünf Tagen Instagram eine Pause von zwei Wochen, weil ich sonst heimlich anfange, die Telefonnummer von Tine Wittler zu recherchieren. Und das, da bin ich sicher, wollen wir alle nicht.

Das Pfennig-Magazin hat übrigens nur gut 20 Jahre überlebt. Es starb, weil die Leser die Unterhaltung vermissten. Dieses Schicksal immerhin dürfte Instagram erspart bleiben. Denn auch wenn das alles unehrlich ist, unterhaltend ist es durchaus :-)

Liebe Grüße

Fran