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Würde oder würdelos?

Und da tobt sie wieder, die Diskussion darum, ob „in Würde altern“ jetzt heißt, dass man sich, sobald der 50. Geburtstag gefeiert ist, auf der Parkbank beim Taubenfüttern zur Ruhe setzen und die steigenden Kiloangaben der Waage und Tiefe der Falten aushalten muss oder ob man Pippi-Langstrumpf-mäßig dem eigenen Geburtstatum mit frisch aufgespritzem Antlitz „ätsch“ hinterherbrüllt und sich das Alter macht, wie sie einem gefällt. Welche der Alternativen ist denn jetzt würdevoll? Und ist die andere wirklich würdelos? Ja, wie altert man denn jetzt mit oder ohne Würde?

Mal ganz ehrlich. Ohne diverse Blogposts und Kommentardiskussionen zu diesem Thema hätte ich das nichtmal als Thema identifiziert. Älter werden wir alle und irgendwann überschreiten wir diese scheinbar magische 50. Oder 40. Setzt einfach ein, was ihr mögt. Ich habe beides hinter mir und mal Butter bei die Fische: Das Leben fühlte sich am Tag nach meinem Geburtstag in keinem der beiden Fälle anders an als vorher. Weder überfiel mit mit 40 eine Midlife-Krise hinterrücks noch tauchten mit 50 plötzlich tiefe Furchen rund um meine Augen auf. Die waren auch vorher schon da ;-)

Wer mit welchem Geburtstag wie umgeht und warum er das tut - who cares? Die 50 hat mir Angst gemacht. Nicht weil ich der Meinung war, dass 50 alt ist. Sondern weil mit 50 die Halbwertzeit definitiv überschritten ist. Und ich lebe verdammt gern. Ich würde also ohne mit der Wimper zu zucken nochmal 50 Jahre obendrauf nehmen - ohne mich um Kilos, Falten oder die Diskussion um zu kurze Röcke zu scheren.

Bin ich würdelos, wenn mich meine Falten nicht weiter stören und mir Kosten und Risiken eines Eingriffs zur Vermeidung derselben zu hoch erscheinen? Es reicht, wenn ich Cortison in den Fuß gespritzt kriege. Damit erkaufe ich mir die Fähigkeit, weiterhin zweibeinig gehen zu können. Das ist es mir wert. Faltenbekämpfung ist es mir nicht wert.

Oder bin ich würdelos, wenn ich in zwei Jahren doch beschließe, einen Arzt an mein Gesicht zu lassen? Ist es ein Zeichen von Würde, wenn ich bei weniger Bewegung und mehr Kuchen zunehme und es mich schlichtweg nicht juckt, weil ich bei diesem schlanker-schöner-toller-Wettbewerb nicht mehr mitspielen mag? Oder ist es ein Zeichen von Würde, wenn ich meine Figur gern behalten würde und mir den Süßkram deswegen verkneife?

Der denkende Leser kann es sich schon denken: Mit Würde hat das alles wenig zu tun. Würde ist definiert als „der innere Wert eines Menschen“. In dieser Definition kommen keine Falten vor, keine Kilos, kein Geburtsdatum. Innere Werte. Das war das, von dem uns schon unsere Eltern gesagt haben, dass es echt wichtiger ist als Schönheit. Und wir haben das als Teenies geflissentlich ignoriert. Und weil wir keine Teenies mehr sind, sollten wir uns vielleicht doch langsam mal überlegen, ob da nicht was dran ist :-)

Und die Form des Alterns allerdings sollten wir vielleicht besser von dem Wort „Würde“ trennen. Das soll einfach jeder für sich entscheiden und das tun, was er für richtig hält. Und wenn er dann einfach noch darauf verzichten könnte, seine Sichtweise als die einzig Wahre in die Welt zu posaunen, dann wäre schon ein ganzes Stück Weg in Richtung Würde geschafft. In Würde altern könnte nämlich auch ganz einfach bedeuten, jeden Menschen so zu akzeptieren wie er eben ist - dick oder dünn, faltig oder glatt, 50 oder 49.

Man muss ihn nicht zwingend lieben, aber vielleicht könnte man dieses ständigen Bewerten, was nun Würde ist und was nicht, einfach mal lassen. Das ist nämlich im Prinzip nur eines: würdelos.

Würdige Grüße

Fran

Kommentare

  1. würdevoll altern könnte man, wenn es endlich ein bedingungsloses grundeinkommen für alle gäbe - statt renten weit unter sozialhilfeniveau.........
    xxxxx

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    1. Das unterschreibe ich.

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    2. Meine Unterschrift bekommst du auch :-) Die Renten, vor allem für Frauen, sind oft ein Witz. Ein schlechter Witz. Darüber stolpern die meisten Frauen allerdings erst, wenn es soweit ist. Und DA ist das Wort Würde dann tatsächlich angebracht.

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  2. In Würde altern... hat für mich ebenso wenig mit Botox& Co zu tun wie für dich. Allerdings glaube ich immer weniger an dieses "in Würde altern". In Pflegeheimen und Krankenhäusern ist für Würde kein Platz. Oder kein Geld.

    LG Anna

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    1. Wenn es soweit ist, kann man über die Sache mit der Würde und den Falten wohl nur noch lachen. Wenn einem dann noch zum Lachen ist. Denn dann wird Würde plötzlich zu etwas, was man sich leisten können muss.

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  3. Ich verstehe jetzz ehrlich gesagt nicht ganz, was ein bedingungsloses Grundeinkommen mit würdeloswm Altern zu tun hat. Ich aehe nicht ein, dass ich irgendjemand finanziere, der gesandelt jat, während ich arbeiten war. Aber ich gebe allen Recht, die eine angemesse Bezahlung für gute Arbeit fordern. Vor allem im Pflegebereich. Wohl dem der genug Geld hat um sich die Pflege kaufwn zu können. Oder dem der seinen Kindwrn so viel Liebe geschenkt hat, dass sie sich im Alter respektvoll um ihn kümmern. Etwas mehr Gemeinschaftssinn, Hirn und weniger Egoismus stünden unserer Gesellschaft in allen Bereichen gut zu Gesicht. LG Sunny

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    1. Sunny, es ist falsch anzunehmen, dass die Menschen bei einem bedingungslosen Grundeinkommen plötzlich ihren Ehrgeiz wegwerfen und "sandeln". Es gibt einen Haufen Studien, die genau diese Annahme widerlegen. Ein bedingungsloses Grundeinkommen würde aus meiner Sicht vieles besser machen. Zum Beispiel die Sache mit der Rente.
      Und ob sich die Kinder später mal respektvoll kümmern, das hat nicht unbedingt mit der Liebe zu tun, die man ihnen geschenkt hat. Was, wenn die Kinder weit weg sind? Oder selbst mit ihrem Leben ringen? Die Formel: Ich habe meine Kinder liebevoll erzogen = sie kümmern sich um mich, wenn ich alt bin, ist mir zu kurz gegriffen.
      Mehr Gemeinsinn und weniger Egoismus - da gehe ich mit. Und genau das würde ein bedingungsloses Grundeinkommen fördern.

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    2. Fran, deinen Kommentar unterschreibe ich auch in allen Punkten. Komme aus dem Unterschreiben gar nicht mehr raus. ;)

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    3. Ich gehe mit den Gedanken von Herrn Fratzscher von der Zeit.
      http://www.zeit.de/wirtschaft/2017-04/bedingungsloses-grundeinkommen-ungleichheit-globalisierung

      Außerdem bin ich der Meinung, dass das Geld, das hier Erwirtschaftet wird hier im Land in Form von Steuern zu verbleiben hat.
      Hier ist die Regierung gefordert. Es sollte eine richtig fette Reichensteuer geben um gute Erziehung und gute Bildung für jeden zu ermöglichen, die Mitarbeiter im Gesundheitswesen ordentlich zu bezahlen, die Privatisierung des Gesundheitswesens umzukehren usw. Einfach mal jedem ein bissal Geld in den Hintern schieben und dann sagen, jetzt lass mich in Ruhe, sieht unserem Staat zwar ähnlich bringt aber nix.
      LG Sunny

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    4. Ich verstehe Sunnys Ansatz auch gut. Allerdings habe ich mich noch nie mit dem BGE beschäftigt. Ich weiss nicht ob ich dafür oder dagegen sein soll. Ich arbeite seit ich 16 Jahre alt bin durchgehend. Vollzeit, Halbtags und wieder Vollzeit. Geschenkt wurde mir nie etwas. Von meinem Gehalt werden mir 50 % abgezogen. Wir versorgen mit unseren zwei Gehältern 4 Erwachsene. Für meinen Sohn gibt es seit diesem Jahr kein Kindergeld mehr und weil ich nix mehr bekomme darf ich auch gleich seine Krankenversicherung mit 100 Euro pro Monat bezahlen. Er studiert aber noch, verdient keinen Cent. Wir haben einige Patienten, die nicht arbeiten und immer genau wissen wie es funktioniert noch irgendwo etwas "rauszupressen" Da wird getrennt gewohnt, damit man eine Haushaltshilfe beantragen kann, usw.
      Ich hatte noch nie im Leben eine Haushaltshilfe oder sonstige Hilfen. Sagt ruhig ich bin zu doof dazu :)
      Also das BGE bedeutet, dass jede Person im Haushalt zusätzlich Geld bekäme würde das natürlich schon helfen. Gerade meinen Kindern, die kein Einkommen haben wegen Studium. Ich habs echt versucht zu verstehen, wie sich das BGE finanzieren soll, kapiert habe ich es nicht wirklich.
      Zum Thema altern... ich will am liebsten gesund altern mit so wenigen Eingriffen wie möglich. Das schliesst die kosmetischen im Moment echt aus. Bis auf die Zähne, da will ich Implantate, da gibts für mich keinen Kompromiss.
      Im Alter von 40 oder 50 ist das füt mich noch gar kein Thema. Da ist alles für mich würdevoll.
      Beim Umgang mit Menschen die eher um die 80 oder 90 sind fällt mir auf, dass sie würdevoll behandelt werden, auch in Pflegeheimen, zumindest hier bei uns, selbst ihr Umfeld aber eher würdelos behandeln.
      Sorry für den Roman Fran. Beate und ihr BGE ist schuld:))

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    5. Hm, nach der Regierung zu rufen finde ich genauso schräg wie eine "fette Reichensteuer". Die Reichen sind in einem solchen Fall außerdem schneller weg als man gucken kann. Die sind ja nun auch nicht blöd ;-) Bildung ist wichtig. Aber du wirst immer Menschen haben, die das anders sehen. Die keinen Wert auf Bildung für sich und ihre Kinder legen. Was dann? Ihnen die Kinder wegnehmen?
      Dass die Privatisierung des Gesundheitssystems nicht das Gelbe vom Ei ist, das ist definitiv richtig. Die Antwort von Theresa May auf die niedrigen Gehälter von Krankenschwestern "There is no Magic money tree" ist ein Schlag ins Gesicht. Ähnlich ist es in Deutschland. Das geht so nicht.

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    6. ich muss hier nochmal einhaken:
      nicht jeder KANN einen gut bezahlten job machen, wer als friseurin, köchin, schneiderin, oder supermarktangestellte gearbeitet hat und davon dann auch noch die hälfte des lebens in der DDR - der kriegt nunmal keine ausreichende rente.
      und ich war immer selbstständig - aber weil die gutverdiener lieber ihr geld in billiglumpen stecken statt in masskleider werde ich keinen pfennig rente bekommen. so siehts aus meine lieben. aber meine dezidierten komments in sachen mode werden gern genommen......
      habe fertig.

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    7. Ui. Das Rententhema. Sehr beliebt bei den West.-Rentnern....

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  4. Ich kann dazu nur sagen, dass ich vor der 50 auch ziemliche Angst hatte. Weil eben das halbe Leben (oder auch mehr) definitiv vorbei ist. Und weil ich plötzlich die begrenzte Zeit viel bewußter sehe als vor der 50. Wie oft kann ich noch Weihnachten feiern, ans Meer fahren oder den Frühling erleben? Da muss man schon mal tief durchatmen, denn selbst im besten Fall ist das nun sehr übersichtlich. Da ich es aber sowieso nicht ändern kann, versuche ich, mein Leben nun so bewußt und auch so schön wie möglich zu verbringen. Ab 50 hatte ich deutlich mehr Privilegien als noch vor 20 Jahren. Meine Kinder sind erwachsen, ich habe viel mehr Zeit für mich und für andere und ich genieße das auch bewußter. Dieses ganze "Würde"-Thema hat mich noch nicht gestreift (Gott sei Dank).
    LG Eva

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    1. Die begrenzte Zeit hat mir auch zu schaffen gemacht. Aber nutzt ja nix, sie ist eben begrenzt. Also kann man sie entweder grübelnd oder lachend verbringen. Ich nehme das Lachen.

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  5. Liebe Fran,
    ich kann nur lachen über Deine Gedanken zum 5O. Geburtstag. Ich selbst hatte überhaupt keine Zeit mir Gedanken zu machen als ich 5O Jahre alt wurde.
    Inzwischen habe ich schon die Hälfte der 6O überschritten und fühle mich immer noch nicht wie OMA - obwohl ich schon längst 2x Oma bin.Ich bin erst mit 58 Jahren online gegangen und so eine
    Exotin meiner Altersklasse in Sachen PC.
    Es ist tatsächlich so, dass viele Leute in meinem Alter schon auf Parkbänken sitzen und die Tauben füttern, das Gehirn ausgeschaltet haben usw. Ich erlebe das hier sehr sehr häufig.Oder dass die Leute sich nur noch übers Essen unterhalten.. Nein, nicht mein Doing. Ich möchte auch noch etwas anderes machen als vor mich hindösen.
    Ind diesem Sinne - mach Dir nicht zu viele Gedanken übers Altern.
    Viele sGrüße aus dem Ruhrpott von Vera

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    1. Auf der Parkbank sitzen und Tauben füttern, das ist hoffentlich noch weit weg. Andererseits: Wenn man da lächelnd sitzt, kann das soooo schlecht auch nicht sein ;-) Im Moment scheuche ich die Tauben aber lieber.

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  6. Hallo, mir geht es wie dir und Eva, vor der 50 hatte ich auch bammel. Wenn ich hundert werde, heißt es ab 50 Rückwärts zählen, also noch 48 :-(
    Wir wollen aber positiv in die Zukunft blicken und uns am Leben erfreuen.
    Liebe Grüße
    Bo

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    1. Bei mir sind es noch 48 1/6tel ;-) Und klar blicke ich positiv in die Zukunft. Oder entsteht der Eindruck, ich würde mich nicht am Leben erfreuen?

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  7. mh......
    ich habe mir darüber noch keine bzw. wenig Gedanken gemacht! Die Würde gibst du ab sobald du ein Pflegefall wirst, du musst Dinge über Dich ergehen lassen da denkst du jetzt im Traum nicht dran! Wenn du dann noch das Pech hast eine Empathielose Pflegekraft zu erwischen bist du richtig im Eimer! Du fühlst dich ausgeliefert ....... Was sind dagegen ein paar Falten, knackende Knochen oder irgendwelche Wehwehchen? Wenn ich mir die heutige Jugend (nicht alle) ansehe, die uns später eventuell mal pflegen sollen - da wird mir Angst und Bange! Die sind auf Profit und Wirtschaftlichkeit getrimmt - der Mensch kommt an zweiter Stelle wenn er Glück hat! Kleine Pflege eingekauft - heisst 2 Körperteile waschen! mehr gibt es nicht - sie haben geschwitzt der Rücken klebt - Pech gehabt oder sie bezahlen mehr! So soll es sein - so wird es bei mir nie sein! Bei mir steht der Mensch an erster Stelle! Leider ist die Entwicklung eine andere! Das hat dann wirklich nichts mehr mit Würde zu tun! Egal ob du Geld hast oder keins wir dürfen nicht vergessen das die ALTEN (irgendwann sind wir das auch) ein Leben hatten was sie eigenverantwortlich geführt haben und im Krankheitsfall oder altersbedingte Einschränkungen die Verantwortung anderen überlassen müssen! Sei es der Pflegedienst oder die Kinder die dann über ihre Eltern bestimmen wollen - auch da gibt es große Unterschiede! Ich habe keine Angst davor das ich nun vielleicht nur noch 50 Jahre vor mir habe (das geht wir haben eine Patientin die 101) ich habe Angst davor mich von anderen pflegen zu lassen, für Dumm verkaufen zu lassen - nicht mehr ernst genommen zu werden! Auch wenn ich vielleicht dement sein sollte, ich bin noch immer ich und ich möchte das man mich respektiert! Also blast die trüben Gedanken weg LEBE einfach! LG Patricia

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    1. Ich weiß es. Meine Mutter ist an einem Hirntumor gestorben. Gottseidank war sie in einem wunderbaren Hospiz, wo Würde ein Wert war. Ich verneige mich vor jeden, der einen Job in der Pflege macht. Das ist so hart und dann die miese Bezahlung...
      Trübe Gedanken - nein. Die habe ich eigentlich nicht. Allerhöchstens dann, wenn mir jemand mit Falten und Würde in einem Satz kommt *grins*

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  8. Bei mir kommt als nächste Runde Zahl auch die 50. Und ich bin einfach mal ehrlich. Ich hab gar keine Lust drauf alt zu werden. Würde hin oder her.

    Ich hab wenig Lust auf Winkearme und Falten. Aber noch viel weniger Lust hab ich auf wirkliche körperliche Gebrechen. Die werden nur leider nicht ausbleiben, das merke ich jetzt schon.....

    Das macht mir schon ein bisschen Angst...

    GLG aus der Edelfabrik Chrissie

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  9. puh, darüber habe ich mir noch gar keine Gedanken gemacht. Ich bin gerade schockiert. Du meinst mit 50 kommt die nächste Krise? Ich hatte eine mit 30. Die hat ziemlich lange gedauert. Der 40er ist an mir vorbei gezogen ohne das ich ihn gemerkt hatte. Da war einfach zu viel los. Aber das da nochmal sowas kommt.... :-( Gut das ich noch ein wenig Zeit habe :-)
    LG Natascha

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  10. Gerne im Hier und jetzt sein und zwar so, wie uns das selbst gefällt. Ich bin der Ansicht, dass jede für sich selbst entscheiden darf, wie sie aussehen will, was sie "altersgerecht" findet usw. Wer bin ich, dass ich anderen das vorschreiben darf oder kritisieren sollte.
    Mit Würde altern benutze ich übrigens in einem anderen Zusammenhang. Nämlich dann, wenn manches nicht mehr so funktioniert, wie wir uns das wünschen. Dann möchte ich kein " Lätzchen" umgebunden bekommen sondern eine Serviette. Und auch sonst nicht wie ein Kleinkind behandelt werden etc.
    Liebe Grüße
    Andrea

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  11. Liebe Fran,

    ich lese Deinen Blog regelmäßig und freue mich über Deine Texte, mit denen Du sehr oft auf meiner Seelenlänge schwimmst. Ich bin ein Jahrzehnt älter als Du und die 5. Null hat mir mehr ausgemacht als die 6. Leider holen mich die Ereignisse jetzt ein, da meine 83jährige Mutter seit etwa einem Jahr gesundheitlich erschreckend abbaut. Damit ist das Thema Würde und altern für mich topaktuell geworden und ich finde es beschämend, wie mit den alten Menschen umgegangen wird. Ob es nun zum Einen das Waschen von nur 2 Körperteilen ist oder dass immer wieder Einsätze vergessen aber abgerechnet werden, oder zum Anderen die Bevormundung durch medizinisches (?) Personal in den verschiedensten Bereichen. Die ständige "Notwendigkeit" von für mich zum Teil fragwürdigen medizinischen Eingriffen, in deren Folge sie komplett inkontinent wurde, ist eine weitere Komponente. Kürzlich ist sie gestürzt und sich dabei ein großes Brillenhämatom zugezogen und 4 Rippen gebrochen. Nachdem sie dann zeitversetzt doch für ganze 3 Tage auf die Unfallchirurgie musste - ich habe noch nie so unfreundliche Schwestern erlebt - und sie war schon oft im Krankenhaus, bin ich arg ins Grübeln gekommen. Möchte ich das bei Pflegegrad 2 und einer Minirente in 23 Jahren auch so erleben - NEIN, NEIN, NEIN.

    Ich renne nur von Pontus zu Pilatus, um hier einen Antrag zu stellen, da was zu organisieren, dort was abzuholen und das neben meinem 40-h-Job. Im Moment bin ich selbst am Limit. Und wenn ich dann die Auskunft zu meiner Rente sehe wird mir einfach nur schlecht. Ein Leben lang gearbeitet - nie gesandelt - und trotzdem würde es nicht mal für die Zuzahlung zu einem Heimplatz reichen. Das ist für mich keine Aussicht auf würdevolles altern.

    Aber trotzdem sehe ich es ähnlich wie Du, Fran und versuche die Gegenwart zu genießen und mich nicht unterkriegen zu lassen. Zum Glück habe ich viele Menschen in meiner Familie und meinem Umfeld, die mich bei einem Tief unterstützen und mit denen ich viele tolle Erlebnisse teile. Übrigens war meine Party zum runden Geburtstag ein Megakracher. Wir haben bis weit nach Mitternacht barfuß durchgetanzt.

    In diesem Sinne herzliche Grüß von Karin

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  12. Sei gegrüßt du Würdevolle ;-)

    gerade heute in der Zeitung von einem Studiengang hier bei uns gelesen, den es neuerdings gibt: Fat Studies. Es geht, richtig, um Dicke.

    Und die Gesellschaft dazu. Schwabbelig ist schwach, das hält die Gesellschaft nicht aus. Sportlich muss der Mensch in der neoliberalen Erfolgsgesellschaft sein. Nein, ich habe keine Essstörung oder so, ich treibe nur gern viel Sport....*Achtung, Ironie!!!!

    Gut gesagt von dir. Herzliche Grüße Sabina

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